45. Ottocinquanta ruggine

 

Eigentlich wollte ich dieses Jahr pausieren, um auch anderen Teams die Chance auf einen Startplatz zu geben, aber anscheinend sind meine Teammitglieder im Vorjahr aufgrund der aufgetretenen Pannen zu wenig zum Fahren gekommen. Fakt ist, alle wollen UNBEDINGT wieder an den Start gehen – scheinbar wollen alle im Zuge des 24h Rennens eine Mechaniker-Ausbildung absolvieren! ;) Für 2016 haben wir uns vorgenommen noch weniger komfortabel unterwegs zu sein, denn unsere Homebase (das Wohnmobil) wurde verkauft, wir werden also entweder im Zelt oder ich wieder unterm 850er schlafen. Wir werden uns bemühen, dieses Jahr mehr Zeit auf der Strecke zu verbringen – der Abschlepphaken wurde aber sicherheitshalber schon verstärkt. ;)

Es fahren:

Alexander Maier

Babak Kazemi

Rene Kettler

 

Robert Sailer

 

Erlebnisbericht vom letzten JUNI 2015 !

Wildes

850 Kubikzentimeter gegen

Schlamm, Schlag- und Rostlˆcher

In diesem Artikel, mˆchte ich euch von einem Abenteuer erz‰hlen. Wer das 24h Rennen am Nordring in Fuglau kennt, soll nun bitte raten, welches Clubmitglied hierf¸r in Frage kommtÖ Richtig! Nerv¥, wer sonst. Wobei, noch ein Clubmitglied ist schon dabei gewesen, Zottler Michael ist auch schon an den Start gegangen, das war allerdings schon 2014, auf Skoda 120 (Ausfall durch Motorschaden). An dieser Stelle mˆchte ich euch von meinen Erlebnissen mit einem Fiat 850 erz‰hlen.

Dies war bereits meine 3. Teilnahme an dieser Gleichm‰fligkeitsveranstaltung. Nachdem ich 2013 mit meinem Fiat 131 ins Rennen gegangen bin, 2014 reiner Fahrer in einem Mini 850 war, habe ich beschlossen, wieder teilzunehmen, jedoch w‰re auch dieses Jahr wieder geplant gewesen, dass ich nur Fahrer bin und maximal ein wenig mithelfe. Ein Golf 1 oder 2 h‰tte es werden sollen, ein Wagen, zu dem 2 Freunde, welche das Auto stellen wollten, alle gef‰hrdeten Teile vorr‰tig hatten, da Sie Autocrash auf Golf fuhren. Wie vorhin schon erw‰hnt ist aber die Annahme der Nennung nicht ganz einfach und ein Golf ist dann #doch sehr zuverl‰ssig und hart im Nehmen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Meldung zwar zur Kenntnis genommen wurde, jedoch keine Zusage kam. 

Nach einigen Wochen des Wartens entschied ich dann, doch selbst wieder einen Wagen auf die R‰der zu stellen, und an den Start zu gehen, jedoch dieses Mal nicht in einem Wagen, der es verdient h‰tte, wieder auf der Strafle zu fahren. Ein Wagen wie er schlechter nicht sein kˆnnte, dass niemand behaupten kann, dass es um den Wagen schade w‰re. Und genau als ich diesen Entschluss gefasst hatte, erz‰hlte mir ein Arbeitskollege von einem alten Fiat, ein dunkelblauer mit weiflem Streifen. Ich wusste sofort, dass es sich um jenen Fiat 850 handeln musste, den ich bereits 3 Mal vermittelt hatte, den ich selbst nie zu kaufen gewagt hatte, da er zu schlecht war um Ihn zu richten. Genau dieser Wagen stand nun in Zeltweg, wieder im Freien, um seine letzten Tage noch an der frischen Luft zu genieflen, denn die Abholung mit dem Greifer war vorgesehen. Nennung abge‰ndert auf Fiat 850 in miserablem Zustand unter dem Namen "ottocinquanta ruggine" -  "rostiger 850er" und schon kam auch postwendend die Zusage.

Schleppen mit der Schleppstange von Zeltweg nach Fohnsdorf war das Brustst¸ck gebrochen, da das Blech welches zum Abschleppen dient, nur noch von Glasfasermatten und Harz umgeben war. Dieselbe Substanz war auch an den Schwellern wieder zu finden. Nach dem Wegbrechen der Glasfasermatten blieb noch ein fransiger 3 cm dicker Streifen rostigen Blechs unterhalb der T¸ren ¸brig. Wie gut, dass niemand meinen skeptischen Blick gesehen hatte, als der Vorderwagen die Pr¸fung des T¸rschaniers auf Beweglichkeit mit einem Nicken quittierte. Abgesehen von dieser Kleinigkeit wurde der Wagen bereits 2 Mal zur Komplettierung einer Restrauration verwendet, was mir abermals eine Herausforderung bescherte. 

Nach ca. 1 Woche hatte ich ein klares Bild davon was ich da vor Mir hatte und nahm die Herausforderung an. Als erstes nahm ich mir vor, den Motor zum Laufen zu bringen. Hierf¸r fehlten mir alle K¸hlschl‰uche, der Vergaser, der Chokezug und einiges anderes Kleinzeug wie Ausgleichsbeh‰lter, K¸hlerdeckel, KeilriemenÖ. Nachdem ich alle Teile mit so niedrigem Einsatz an finanziellen Mitteln wie mˆglich organisiert hatte, stand einem Startversuch nichts mehr im Wege. Ich hatte Gl¸ck, der Wagen sprang nach kurzer Zeit an und gab einen gesunden Klang von sich. Auch vorsichtiges vor und zur¸ckfahren in der Einfahrt samt Bremsen war problemlos mˆglich. Somit war klar, Motor und Getriebe funktionieren.

Nun kam also das Thema Blech an die Reihe. Hier hatte ich mittlerweile die Gewissheit, dass der Wagen keinerlei Stabilit‰t mehr hatte. Nach einem Aufruf auf Facebook nach Profilrohren (danke Tom), hatte ich einige Meter 60 x 60 mm Profilrohre zur Verf¸gung, um dem Wagen wieder Stabilit‰t zu verleihen. Platz war genug vorhanden, die Formrohre konnte ich ohne M¸he von unten in die Schweller schieben, aber es fehlte an gesundem Material um die Karosserie mit den Profilen zu verbinden. Nach Anheften von einzelnen Blechen, welche sich von dem gesunden Teil der Schweller (T¸rdichtungsfalz) mit dem 2. Drittel des Bodenbleches erstreckten, konnte ich auch die Profilrohre mit der Karosserie verbinden. Dasselbe Spiel bei der Stabilisatorbefestigung. Hier war nur noch ein rostiges Elend an der Stabilisatorstange angeschraubt, das aber keinerlei Verbindung zur Karosserie hatte. Mit der groben Instandsetzung (rein funktionell) war ich einige Tage besch‰ftigt, wobei ich immer wieder Unterst¸tzung bekam, einerseits von meinem Freund Tom der zusammen mit mir schon fast in der Garage wohnte, als auch von Babak ñ geb¸rtiger Schwede mit iranischen Wurzeln der in M¸nchen lebt, der ein Wochenende zum Schweiflen in die Steiermark gekommen war. Auch meine Autocrash-fahrenden Freunde halfen mit, sonst h‰tten wir niemals am 19. Juni an den Start gehen kˆnnen. 

Nach den strukturell wichtigen Arbeiten kamen die Sicherheitsrelevanten Dinge an die Reihe. ‹berollb¸gel, anderes  Lenkrad, Feuerlˆscher, ordentlicher Sitz mit Kopfst¸tze, transparente Klebefolie von innen an die Windschutzscheibe, Zusatzscheinwerfer welche wir ins Frontblech schnitten und ein Unterfahrschutz, damit auch Motor und Getriebe gesch¸tzt wurden.

Am letzten Abend vor dem Rennen montierten wir noch wirksamen Scheinwerferschutz und einen Schutz vor direkt auf die Scheibe fliegende Steine, beides aus Polycarbonat. Auflerdem ersetzten wir die Auspuff-Direkt-K¸hlung (undichte, den Auspuff mit Benzin bew‰ssernde Benzinpumpe) gegen eine elektrische Pumpe. Kurz nach 1 Uhr Nachts konnten wir den Wagen am H‰nger verzurren, um dann am Tag darauf zum 24h Rennen zu fahren.

Am Weg nach Fuglau wurde das Wetter immer schlechter und das Waldviertel zeigte sich einmal mehr seinem Spitznamen "Kaltviertel" gerecht. Kalt, Regen, Wind. In Fuglau angekommen war nat¸rlich wichtig zuerst f¸r einen trockenen R¸ckzugsort zu sorgen, den wir in Form eines Wohnmobiles und einem 6 mal 3 m groflen Zeltes hatten. Mit von der Partie waren Robert, RenÈ, Tom, meine 2 Autocrash-fahrenden Freunde Michi und Bernhard und Steffi. 

Bis zum Start lief alles wie am Schn¸rchen. Diese Schnur war allerdings nicht allzu lange, denn direkt vom Start ging es nach der Start-Ziel-Gerade sofort wieder zur¸ck zu unserem Zelt. Der Wagen nahm kein Gas an. Erster Verdacht, Z¸ndkabel locker ñ stimmte auch. Danach wieder raus auf die Strecke, beschleunigen, und die Einsicht, dass es doch nicht nur das Z¸ndkabel gewesen sein konnte. Im Endeffekt hatten wir vorm Vergaser ein T-St¸ck verbaut, um einen ‹berlauf zum Tank zu haben, denn die verbaute Benzinpumpe lieferte 3 bar anstelle der 0,3 bar, welche der Vergaser benˆtigte. Dieser ‹berlauf hatte jedoch so wenig Wiederstand, dass es durch das Venturiprinzip die Schwimmerkammer leer saugte. Es folgten mehrere Anl‰ufe auf der Start-Zielgeraden mit sofortigem Wiedereinbiegen ins Fahrerlager, so lange bis das richtige Mittel an Durchl‰ssigkeit und Wiederstand gefunden werden konnte. Das Mittel der Wahl war eine mit Hilfe von Kabelbindern gegen die Benzinleitung gezurrte Schraube. 

Nun gut, es war knapp vor 17 Uhr, der Wagen lief, bis massive Z¸ndaussetzer wieder daf¸r sorgten, dass der Wagen nicht ordentlich lief. Hier konnten wir als Schuldigen den Verteilerfinger ausfindig machen. Die Leitf‰higkeit war beim Entstˆrwiederstand unterbrochen. Nach mehrmaligem Nachbessern und einem Anruf bei Autoquariat, machte Babak sich auf die Reise nach Wien, um dort noch schnell ein paar Ersatzteile abzuholen ñ Freitags, halb 7 Uhr abends eintreffend in Wien. Ab halb 8 Uhr abends war der Verteilerfinger zu Tode repariert und wir mussten abwarten, bis das Ersatzteil aus Wien eintraf. 

Punkt 20 Uhr konnte ottocinquanta ruggine mit einem nagelneuen Verteilerfinger sofort wieder auf die Strecke. Es folgten sehr sportlich gefahrene Runden, der 850er schien sich in den Nordring verliebt zu haben, alles funktionierte tadellos ñ wenn man von einer zu schwach dimensionierten Lichtmaschine absah. Denn die Lichtmaschine des 850ers hat nun mal nur 16 Ampere, deutlich zu wenig um die originale Beleuchtung, ein rotes Licht am Dach nach hinten und die zus‰tzlich ins Frontblech geschnittenen Scheinwerfer mit ausreichend Strom zu versorgen. Somit folgten auf Runden mit voller Beleuchtung immer wieder ein paar Runden mit minimaler Beleuchtung. 

Soweit so gut. 22:45 Fahrerwechsel, rein ins Auto, los gehtís, ab auf die Strecke, 1. Gang ausdrehen, 2. Gang halb, 3. Gang ñ wir m¸ssen den Wagen ja schonen, somit die meiste Zeit im dritten Gang dahingondelnd, eine halbe Runde gefahren, in der engen Kurve zur¸ckschalten in den 2. Gang und,Ö.. nichts, kein Kraftschluss mehr, Motor l‰uft, jedoch keinerlei Vortrieb mehr ñ Ausrollen. 

Der freundliche Abschleppdienst hat seinen 10er kassiert (jeder Abschleppvorgang kostet 10 Euro, welche jedes Jahr einem wohlsinnigen Zweck gespendet werden ñ es handelt sich dabei um einen Betrag mit 3 Nullen dahinter) und wir versuchen herauszufinden, welche Kleinigkeit es diesmal ist, dass wir nicht schalten kˆnnen. Um 23:30 hatten wir eingesehen, dass es nichts war, das ‰uflerlich zug‰nglich ist, der Fehler liegt IM Getriebe. Sp‰testens hier ist der Punkt wo Emotionen und Wahnsinn nahe beieinander liegen. 

Nachdem wir Geh‰usedichtmasse auftreiben konnten, hiefl es ƒrmel hoch. Unterfahrschutz runter, Getriebe raus und ergr¸nden, warum es sich nicht schalten l‰sst. Der Fehler war verh‰ltnism‰flig schnell gefunden. Die Schraube, welche die Schaltgabel miteinander verbindet, hatte sich gelˆst und ist ins Getriebe gefallen. Nach Durchsicht des Getriebes konnten keine weiteren Besch‰digungen festgestellt werden. Passende Schraube reingedreht und alles wieder zusammengebaut, abgedichtet und bef¸llt. Bei gef¸hlten 2 Grad Auflentemperatur im Regen. Blofl das dar¸ber Schreiben l‰sst die "Ganserlhaut" wieder hochkommen.

07:15 ñ Getriebe ist wieder eingebaut. Erste Probefahrt durchs Fahrerlager. Zu unserer Freude verrichteten wieder alle G‰nge ihren Dienst. Also brauchten wir nur noch den Unterfahrschutz wieder befestigen und konnten endlich wieder auf die Strecke. 

Von hier an folgten wieder Runde um Runde Freude am Fahren, alles Lief wie am Schn¸rchen. Bei Tom und mir machte sich M¸digkeit breit und es entstand die Idee ein Nickerchen zu machen. Zwecklos. Bei jedem kleinsten Ger‰usch schreckt man hoch und hat sofort einen Schraubenschl¸ssel in der Hand. Um welche Uhrzeit wir den Reifenplatzer hatten kann ich nicht mal mehr sagen, wobei Reifen und Felge dabei draufgegangen sind. 

Kurz vor 11 vormittags dann die Schrecksekunde. Unser rechtes Vorderrad machte sich in der Kurve selbstst‰ndig und wir wurden wieder ins Fahrerlager geschleppt. Das Vorderrad war samt Bremstrommel auf die Reise gegangen, weil der Achsstummel abgerissen ist. Der Grund war das Radlager, das sich mit dem Achsstummel verschweiflt hatte. Hier glaubten wir wirklich aufgeben zu m¸ssen, da selbst alle umliegenden Schrotth‰ndler keinen Ersatz hatten. W‰hrend die anderen damit besch‰ftigt waren, den Wagen zumindest rollf‰hig zu machen, um ihn auf den H‰nger verladen zu kˆnnen, telefonierte ich mein ganzes Telefonbuch durch. ‹ber einen meiner Kontakte ñ Haider Rudi ñ konnte ich ¸ber einen Freund von Ihm an Ersatz kommen. Gut gelagert am Platz in Grafenwˆrth. Babak und ich fuhren also mit Werkzeug bewaffnet nach Grafenwˆrth um dort in eineinhalb Meter hohem Gras die gesamte Radmitnahme samt Querlenker, Bremse und Stofld‰mpfer von einem Spenderfahrzeug abschrauben zu kˆnnen. Bedankt, bezahlt, zur¸ck nach Fuglau, alles eingebaut (die Bremse ungeˆffnet angeschlossen), entl¸ftet und um 14 Uhr wieder ab auf die Strecke. 

Nach kurzer Zeit kam es wieder zu Z¸ndaussetzern, wobei diese nur auftraten wenn man links lenkte ñ eine bˆse Tatsache auf einem Linkskurs auf dem alle Kurven bis auf 2 nach links gehen. Wir sammelten noch ein paar Kilometer, wobei der Tacho ohnehin ohne Funktion war seit der Getriebe-Geschichte. Wir sind am Ende einfach froh gewesen, dass der Wagen wieder l‰uft und gefahren werden konnte. Wir hatten unser Ziel erreicht, der Wagen lief bis zum Schluss und konnte die Zielflagge aus eigener Kraft passieren. 

Der 850er ist nun mein Fahrzeug f¸r den Nordring und auch im Winter werde ich ihn wahrscheinlich das eine oder andere Mal beim freien Driften am Redbullring einsetzen, sowie am Zenz-See, den ich heuer auf jeden Fall wieder mieten werde. Sollte jemand Lust haben, sich mir beim Fahren anzuschlieflen, nur zu, Durchhaltevermˆgen und eine Portion Wahnsinn vorausgesetzt. 

Euer Nerv¥

 ...das startgeld bei der le mans historique beträgt 5450 ,- euro

...die reine fahrzeit beträgt dabei lediglich wenige stunden

...die teilnehmenden rennfahrzeuge kosten bis zu

3 mill euro...

 

unser startgeld: 80 euro

unsere fahrzeit: 24 stunden

unsere wagen: ab 100 euro


am 19/20. Mai 2017 sowie 23-24 Juni 2017 um 16 uhr; 

24 volle stunden über den nordring bei fuglau, teils asphaltiert, teils schotter, keine beleuchtung bei nacht, keine tankstelle...

 

keine Ahnung wer dieses facebook betreut...?

Entwurf Hans Schubert - danke !

Motor.Raum Filmproduktion OG
Minus80grad.at Trockeneis Reinigung

Nächstes Event :

Sachpreise powered by